Warum so viele Hunde beim Hundefriseur Stress haben – und warum ich es bewusst anders mache

Claude Piton • 10. Dezember 2025

Viele Hunde kommen mit Stress, Unsicherheit oder sogar Angst zur Fellpflege. Für mich beginnt das Verständnis dafür an einem einfachen Punkt: Ein Hund bringt seine ganze Geschichte mit.
Erfahrungen aus früheren Friseurbesuchen, unsichere oder hektische Fellpflege Zuhause, falsche Methoden, laute Umgebung, fremde Geräte oder fehlende Gewöhnung – all das prägt ein Tier. Hunde sind nicht „einfach da“, um gewaschen und geschnitten zu werden. Sie sind Lebewesen, die sehr genau spüren, wie mit ihnen umgegangen wird.

In vielen Salons ist die Umgebung für Hunde sehr anspruchsvoll: mehrere Tiere gleichzeitig, ungewohnte Geräusche, schnelle Abläufe, verschiedene Gerüche und wenig Ruhe. Für uns Menschen wirkt das normal – für viele Hunde ist es Überforderung. Es überrascht daher nicht, dass viele Tiere schon beim Betreten eines Salons innerlich wissen:
„Gleich wird es anstrengend.“

Doch Angst entsteht nicht grundlos. Hunde zeigen ständig durch Körpersprache und Verhalten, wie es ihnen geht – durch Beschwichtigungssignale, Meideverhalten oder kleine Stressanzeichen. Das zu erkennen ist keine Wissenschaft. Es ist eine Frage der Aufmerksamkeit und des Willens, hinzusehen.



🐾 Warum ich mobil arbeite – Ein Hund, eine Betreuung

Ich arbeite bewusst mobil und ausschließlich mit einem Hund gleichzeitig.
Das ist kein Luxus. Es ist echte Tierorientierung.

Der Kunde zahlt für eine Fachkraft mit Erfahrung – nicht für Massenabfertigung. Wenn ich zu den Menschen nach Hause komme, spüre ich jedes Mal die Erleichterung: keine anderen Hunde, kein Lärm, kein Zeitdruck. Statt einer starren „Ich frisiere – du zahlst“-Situation entsteht ein echtes Miteinander.

Jeder Hund bringt seine eigene Geschichte, sein eigenes Tempo und seine eigenen Bedürfnisse mit. Ich sehe keinen „Hund von der Stange“, sondern ein Lebewesen, das Respekt verdient.

Stress erkennen – und ernst nehmen


Für mich zählt nicht, ob ein Hund stillhält.

Viele Hunde „frieren ein“, obwohl sie innerlich Angst haben.


Ich achte besonders auf:

  • Beschwichtigungssignale
  • Abwenden des Blicks
  • Zucken oder Zittern
  • steife Körperhaltung
  • Meideverhalten
  • Stressleckeln
  • Unruhe

Diese Signale sind kein „ungehorsam“.

Das ist Kommunikation.

Und ich höre zu.

Sensible Hunde brauchen Zeit – nicht Druck

Viele Hunde bringen unsichere oder negative Erfahrungen mit. Deshalb erkläre ich dem Besitzer jeden Schritt. Ich zeige, was ich tue, warum ich es mache und wie der Hund darauf reagiert.

Dafür habe ich ein eigenes Sensibel-Programm entwickelt:

  • Vertrauen aufbauen
  • kleine Schritte
  • kurze Pflegesequenzen
  • Beobachtung des Hundes
  • kein Zwang, keine Gewalt
  • Geduld statt Druck

Ein Hund, der einmal verstanden hat: „Mir passiert hier nichts“, wird beim nächsten Termin ruhiger – Schritt für Schritt.

Warum ich nicht nach Rassestandards schneide

Viele Halter bekommen im Laufe der Zeit sehr unterschiedliche Informationen darüber, wie ihr Hund gepflegt werden sollte – sei es von Züchtern, Händlern, Hundetrainern oder auch von anderen Hundefriseuren. Das ist völlig normal, denn jeder arbeitet mit eigenen Erfahrungen, Schwerpunkten und Methoden. Niemand macht das absichtlich falsch; jeder sieht das Tier aus seiner eigenen Perspektive.


Mir ist wichtig zu betonen:

Es geht hier nicht darum, jemanden zu kritisieren oder schlecht darzustellen.

Viele Menschen erhalten einfach widersprüchliche Tipps – das sorgt verständlicherweise für Unsicherheit.


Deshalb schaue ich immer zuerst auf den Hund selbst: seine Fellstruktur, seinen Charakter, seinen Alltag und seine Bedürfnisse. So finde ich gemeinsam mit den Besitzern eine Lösung, die für diesen Hund am besten funktioniert – unabhängig davon, was irgendwo einmal empfohlen wurde.

Was ich bewusst anders mache

Ich nehme mir Zeit.
Ich schaue hin.
Ich höre zu.
Ich erkläre.
Ich arbeite nicht nach Schablonen – sondern nach dem Hund.

Mein Ziel ist es, dass Mensch und Tier sich besser verstehen und dass die Pflege Zuhause leichter wird. Viele meiner Bewertungen erzählen genau solche Geschichten: Hunde, die vorher Angst hatten, Stress hatten oder unsicher waren – und mit der Zeit Vertrauen und Ruhe gefunden haben.

Das ist für mich echter Erfolg. Nicht Kommerz, nicht Perfektion.

No-Go’s in der Fellpflege


 Gewalt oder Druck

Ein unsicherer Hund muss nicht „funktionieren“.

Er braucht Geduld, Ruhe und einen sicheren Rahmen.


 Scheren ohne Notwendigkeit

Scheren kann sinnvoll sein – aber nicht als schnelle Lösung ohne Beratung.

Ich erkläre immer, warum eine Methode sinnvoll ist oder nicht, und welche Folgen sie hat.


Was ich bei jedem Termin erreichen will

Mein Ziel ist es, Verbindung zu schaffen.
Dem Hund zeigen, dass Fellpflege etwas Normales und Sicheres sein kann.
Dem Besitzer zeigen, wie Pflege Zuhause leichter wird.

Pflege ist kein Kampf – Pflege ist ein gemeinsamer Weg.

Schlusswort – meine persönliche Haltung

Am Ende ist es wichtig, dass ein Hundefriseur nicht nur darauf schaut, was gut fürs eigene Ego oder die Brieftasche ist. Natürlich müssen wir geschäftlich denken – von Tierliebe allein kann niemand leben. Aber wir können die Pflege für Hunde und Katzen einfacher, individueller und natürlicher gestalten.


Ich arbeite gerne mit Kolleginnen und Kollegen zusammen. Oft verstehe ich genau, warum manche Hunde weitergereicht werden – nicht jeder Friseur hat die Zeit, das Wissen oder die Ruhe für besonders sensible Tiere. Viele meinen es gut, manche sind überfordert, andere arbeiten in festen Systemen, die wenig Spielraum lassen.


Hunde und Katzen sind jedoch keine Schauobjekte und keine Werbeflächen. Sie sind Lebewesen, die Respekt und Würde verdienen. Auch wenn es schwer ist, Tierschutzgedanken konsequent umzusetzen, können wir ihnen ein Stück Würde zurückgeben.

Als tierschutzorientierter Hunde- und Katzenfriseur ist es mir wichtig, dass sowohl Mensch als auch Tier profitieren. Auch bei mir läuft nicht alles perfekt – aber der Wille zählt. Wir leben in einer sehr kommerziellen Welt, und leider spüren das auch viele Tiere.

Darum ist es unsere Verantwortung, unser Wissen über Fell, Verhalten und Kommunikation ständig zu erweitern. Wir teilen diese Welt mit den Tieren – und wenn wir ihnen helfen können, sollten wir es tun.



Ich respektiere jede Kollegin und jeden Kollegen.
Ich glaube, dass wir gemeinsam – mit Austausch, Verständnis und einem offenen Denken – viel mehr erreichen können als allein.

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